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Warum Schlaf im Winter so wichtig ist – Psychologische Bedeutung & Tipps für gesunde Schlafhygiene

  • Autorenbild: Claudia Weidinger
    Claudia Weidinger
  • 13. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit


Viele Menschen erleben den Winter als eine Zeit erhöhter Müdigkeit. Das Aufstehen fällt schwerer, die Tage fühlen sich schneller erschöpfend an und das Bedürfnis nach Rückzug nimmt zu. Nicht selten entsteht dabei der innere Druck, „funktionieren“ zu müssen – trotz fehlender Energie. Aus psychologischer Sicht ist dieses Empfinden jedoch kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Disziplin, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers auf veränderte äußere Bedingungen.



Person am Fenster im Winter mit Decke und Tee – Symbol für erhöhtes Schlafbedürfnis und psychische Ruhe
Im Winter braucht der Körper oft mehr Schlaf – ein natürlicher Bestandteil psychischer Selbstregulation.


Inhalte:






  1. Warum wir im Winter oft mehr Schlaf brauchen


Mit den kürzeren Tagen und dem reduzierten Tageslicht verändert sich unsere innere Uhr. Der Körper produziert vermehrt das Schlafhormon Melatonin, das uns müde macht und zur Ruhe einlädt. Gleichzeitig kann die Aktivität von Serotonin, einem wichtigen Botenstoff für Stimmung und Antrieb, sinken. Diese hormonellen Anpassungen führen dazu, dass wir im Winter häufig mehr Schlaf benötigen als im Sommer.


Auch psychologisch betrachtet ist der Winter eine Phase erhöhter innerer Verarbeitung. Weniger äußere Aktivität, mehr Dunkelheit und Ruhe begünstigen Reflexion, Rückzug und Regeneration. Unser Nervensystem stellt sich auf Schonung ein – ein Mechanismus, der evolutionär sinnvoll ist und uns helfen soll, Kräfte zu bewahren.


Winterliche Naturaufnahme, Raureif, sanftes Morgenlicht
Schlaf ist ein wesentliches Fundament psychischer Gesundheit – besonders in der dunklen Jahreszeit.


  1. Warum Schlaf aus psychologischer Sicht so wichtig ist


Schlaf ist weit mehr als bloße Erholung. Aus psychologischer Perspektive ist er eine zentrale Grundlage für unser emotionales Gleichgewicht, unsere mentale Leistungsfähigkeit und unsere Stressverarbeitung.


Schlaf und emotionale Regulation

Während wir schlafen, verarbeitet unser Gehirn emotionale Erlebnisse des Tages. Besonders im REM-Schlaf werden Gefühle eingeordnet, abgeschwächt oder neu bewertet.

Schlafmangel kann diesen Prozess stören und emotionale Reaktionen verstärken.

Wer dauerhaft zu wenig oder schlecht schläft, reagiert oft emotionaler, reizbarer oder ängstlicher. Studien zeigen, dass Schlafmangel die Aktivität der Amygdala – unserem Angstzentrum – erhöht, während gleichzeitig die regulierende Funktion des präfrontalen Kortex abnimmt.

Kurz gesagt: Ohne ausreichenden Schlaf fällt es uns schwerer, mit Stress, Konflikten und intensiven Gefühlen umzugehen.


Schlaf, Stress und mentale Gesundheit

Chronischer Schlafmangel erhöht das Stressniveau im Körper. Das Stresshormon Cortisol bleibt länger aktiv, was zu innerer Unruhe, Grübelschleifen und Anspannung führen kann. Gleichzeitig steigt das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Burnout.

Guter Schlaf wirkt hier wie ein Schutzfaktor: Er stärkt unsere Resilienz, verbessert die Stressverarbeitung und unterstützt die emotionale Stabilität.


Schlaf und kognitive Leistungsfähigkeit

Gedächtnis, Konzentration und Entscheidungsfähigkeit hängen eng mit Schlaf zusammen. Im Schlaf werden Informationen sortiert und im Langzeitgedächtnis gespeichert. Schlafmangel hingegen führt zu Konzentrationsproblemen, Vergesslichkeit und verminderter Problemlösefähigkeit – Faktoren, die im Alltag und Berufsleben erheblich belasten können.


Schlafende Person – Schlaf als Grundlage psychischer Gesundheit und emotionaler Verarbeitung
Guter Schlaf unterstützt emotionale Verarbeitung und mentale Stabilität.


  1. Warum unser Schlafbedürfnis im Winter höher ist


Der menschliche Körper orientiert sich stark am natürlichen Licht-Dunkel-Rhythmus. Im Winter kommt es durch kürzere Tage zu einer Verschiebung unserer inneren Uhr.


Lichtmangel und Hormone

Weniger Tageslicht bedeutet:

  • mehr Melatonin (macht müde)

  • weniger Serotonin (stimmungsstabilisierend)

Diese hormonelle Veränderung erklärt, warum wir uns im Winter schneller erschöpft fühlen und mehr Schlaf benötigen. Bei manchen Menschen kann dies sogar saisonale depressive Verstimmungen begünstigen.


Evolutionäre Perspektive

Aus evolutionspsychologischer Sicht war der Winter eine Zeit des Rückzugs und Energiesparens. Weniger Aktivität und mehr Schlaf erhöhten früher die Überlebenschancen. Auch wenn wir heute künstliches Licht und beheizte Räume haben, reagiert unser Körper noch immer auf diese alten Muster.


Gedimmtes Licht am Winterabend – Einfluss von Lichtmangel auf Schlaf und innere Uhr
Weniger Tageslicht im Winter beeinflusst den Biorhythmus und erhöht das natürliche Schlafbedürfnis.

  1. Was ist Schlafhygiene?


Schlafhygiene beschreibt alle Verhaltensweisen und äußeren Bedingungen, die einen gesunden Schlaf fördern. Sie ist ein zentraler Bestandteil psychologischer Schlaftherapie und kann bei Ein- und Durchschlafproblemen oft wirksam helfen.


Tipps für eine gute Schlafhygiene


1. Feste Schlafzeiten etablieren

Gehen Sie möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf – auch am Wochenende. Regelmäßigkeit stabilisiert die innere Uhr.


2. Licht bewusst einsetzen

Nutzen Sie morgens so viel Tageslicht wie möglich, besonders im Winter. Abends hingegen sollte helles Licht, vor allem von Bildschirmen, reduziert werden, da es die Melatoninproduktion hemmt.


3. Abendliche Rituale schaffen

Wiederkehrende Rituale signalisieren dem Körper, dass Schlafenszeit naht. Beispiele:

  • Lesen

  • ruhige Musik

  • Atemübungen oder sanftes Dehnen


4. Gedanken zur Ruhe bringen

Grübeln ist einer der häufigsten Schlafstörer. Hilfreich kann sein:

  • Gedanken aufzuschreiben

  • To-do-Listen für den nächsten Tag zu erstellen

  • kurze Achtsamkeitsübungen


5. Schlafumgebung optimieren

Ein ruhiges, dunkles und kühles Schlafzimmer unterstützt den Schlaf. Ideal sind Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad.


6. Koffein, Alkohol und schwere Mahlzeiten meiden

Koffein wirkt länger als viele denken. Auch Alkohol verschlechtert die Schlafqualität, selbst wenn er beim Einschlafen hilft.


7. Akzeptanz statt Druck

Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Je mehr Druck wir uns machen, desto schwieriger wird das Einschlafen. Eine wohlwollende Haltung gegenüber dem eigenen Körper ist ein wichtiger Bestandteil gesunden Schlafs.


Abendritual ohne Bildschirm – Schlafhygiene zur Förderung gesunden Schlafs
Feste Abendrituale sind ein zentraler Bestandteil gesunder Schlafhygiene.

  1. Fazit: Schlaf als Fundament psychischer Gesundheit


Schlaf ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Säule unserer psychischen Gesundheit – besonders in den dunkleren Monaten des Jahres. Ein erhöhtes Schlafbedürfnis im Winter ist normal und sinnvoll.

Wer lernt, die Signale des eigenen Körpers ernst zu nehmen und schlaffördernde Gewohnheiten zu pflegen, investiert nachhaltig in sein emotionales Wohlbefinden, seine Belastbarkeit und Lebensqualität.

Manchmal beginnt Selbstfürsorge genau dort, wo wir uns erlauben, müde zu sein – und auszuruhen.


Ruhige Atmung – Schlaf fördert Stressabbau und Regulation des Nervensystems
Ausreichender Schlaf hilft, Stresshormone zu senken und das Nervensystem zu beruhigen.

  1. FAQs


Warum brauchen wir im Winter mehr Schlaf?

Im Winter erhält der Körper weniger Tageslicht. Dadurch wird vermehrt das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet, während stimmungsaufhellende Botenstoffe wie Serotonin sinken können. Diese hormonellen Veränderungen führen dazu, dass der Organismus stärker auf Ruhe und Regeneration ausgerichtet ist.

Ist erhöhte Müdigkeit im Winter normal?

Ja, ein gesteigertes Schlafbedürfnis und mehr Müdigkeit im Winter sind normal. Sie gelten als natürliche Anpassung an kürzere Tage und weniger Licht. Erst wenn die Erschöpfung über längere Zeit anhält oder stark belastet, sollte genauer hingeschaut werden.

Warum ist Schlaf so wichtig für die psychische Gesundheit?

Schlaf unterstützt die emotionale Verarbeitung, Stressregulation und Stabilisierung der Stimmung. Chronischer Schlafmangel kann die Stressanfälligkeit erhöhen und das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen steigern.

Was versteht man unter Schlafhygiene?

Schlafhygiene bezeichnet alle Gewohnheiten und äußeren Bedingungen, die gesunden Schlaf fördern. Dazu zählen regelmäßige Schlafzeiten, eine ruhige Schlafumgebung, abendliche Rituale sowie der bewusste Umgang mit Licht, Koffein und digitalen Medien.

Was hilft bei Einschlafproblemen durch Grübeln?

Gedanken vor dem Schlafengehen aufzuschreiben, Atemübungen oder kurze Achtsamkeitsübungen können helfen, Grübeln zu reduzieren. Wichtig ist eine akzeptierende Haltung: Schlaf lässt sich nicht erzwingen, sondern entsteht durch innere Beruhigung.

Wann sollte man bei Schlafproblemen professionelle Hilfe suchen?

Wenn Schlafstörungen länger als vier Wochen anhalten, den Alltag deutlich beeinträchtigen oder mit starker psychischer Belastung einhergehen, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung empfehlenswert.




  1. Über mich



Mein Name ist Claudia Weidinger, ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie in Bayreuth –

und ich begleite Menschen auf ihrem ganz persönlichen Weg zu mehr innerer Ruhe, Klarheit und Selbstvertrauen. In meiner Praxis finden Sie einen geschützten Raum, in dem Sie sich mit Ihren Gedanken und Gefühlen ehrlich auseinandersetzen dürfen – ganz ohne Druck und in Ihrem eigenen Tempo.

Gemeinsam erarbeiten wir Wege, um alte Muster zu erkennen, neue Handlungsspielräume zu entdecken und Schritt für Schritt wieder mehr Lebensfreude zu gewinnen.


Frau mittleren Alters



  1. Quellen & weiterführende Literatur


Die Inhalte dieses Artikels basieren auf aktuellen Erkenntnissen aus der Schlafforschung, Psychologie und Psychotherapie, u. a. aus Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie The Lancet Psychiatry sowie Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.


  • Riemann, D., & Nissen, C. (2019). Sleep and mental health. Lancet Psychiatry.

  • Walker, M. (2017). Why We Sleep. Penguin Random House.

  • Meerlo, P. et al. (2008). Sleep restriction and stress systems. Sleep Medicine Reviews.

  • Cajochen, C. et al. (2007). Seasonal variation in sleep and circadian rhythms. Journal of Biological Rhythms.

  • Lambert, G. et al. (2002). Effect of sunlight on serotonin turnover in the brain. The Lancet.

  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Empfehlungen zur Schlafhygiene.


Bildquelle: Canva


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