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„Wie man mit Scheitern wächst – Psychotherapeutische Perspektiven“

  • Autorenbild: Claudia Weidinger
    Claudia Weidinger
  • 23. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Teil 5 der Blogserie: Krisen, Veränderungen & Lebensphasen


Es gibt diese Momente im Leben, in denen etwas gründlich schiefgeht: Ein berufliches Projekt scheitert, eine Beziehung endet, ein lang ersehntes Ziel bleibt unerreicht. Was zurückbleibt, ist oft ein bitterer Beigeschmack: Enttäuschung, Scham, Selbstzweifel – und das nagende Gefühl, „versagt“ zu haben.

Aber was, wenn Scheitern kein Endpunkt, sondern ein Anfang ist?

Psychotherapeutisch betrachtet ist Scheitern nicht das Gegenteil von Erfolg – sondern ein notwendiger Teil davon. Ein Moment der Wahrheit, der dich mit dir selbst konfrontiert – und dich, wenn du es zulässt, wachsen lässt.


Zerbrochene Vase aus der eine Pflanze wächst
Persönliches Wachstum entsteht oft dort, wo Menschen Krisen bewältigen.


Inhalte:




1. Was ist „Scheitern“ überhaupt?


Im Alltag wird Scheitern oft mit Schwäche oder Inkompetenz gleichgesetzt. Doch psychologisch gesehen ist es viel komplexer – und vor allem: zutiefst menschlich.

Scheitern bedeutet:

  • Ein gesetztes Ziel nicht zu erreichen

  • An äußeren Erwartungen oder inneren Ansprüchen zu scheitern

  • Eine Entscheidung zu treffen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellt

  • Von anderen zurückgewiesen oder kritisiert zu werden


Wichtig: Scheitern ist kein Beweis für deinen Wert – sondern Ausdruck dafür, dass du etwas versucht hast.



2. Warum Scheitern so schmerzhaft ist


1. Scham und Selbstwertkrise

Viele Menschen erleben Scheitern als persönlichen Makel. Statt das Ereignis von sich selbst zu trennen, wird es Teil ihrer Identität: „Ich habe versagt“ wird zu „Ich bin ein Versager.“


2. Angst vor Bewertung

Gesellschaftlich ist „Erfolg“ hoch angesehen – während Fehler und Rückschläge oft stigmatisiert werden. Das macht es schwer, offen über das eigene Scheitern zu sprechen.


3. Perfektionismus

Wer hohe Ansprüche an sich selbst hat, erlebt schon kleine Rückschläge als massive Niederlage – oft verbunden mit starken inneren Kritiker-Stimmen.


Mann blickt nachdenklich aus dem Fenster
Rückschläge können Selbstwert, Identität und Zukunftsgefühl gleichermaßen erschüttern.

3. Wie man durch Scheitern wachsen kann


Psychotherapie bietet hier einen wichtigen Perspektivwechsel: Scheitern ist ein Teil der Entwicklung – kein Beweis für persönliches Versagen.


1. Reflexion statt Verdrängung

In der Therapie geht es nicht darum, Scheitern „wegzumachen“, sondern zu verstehen:

  • Was ist wirklich passiert?

  • Welche Muster haben dazu beigetragen?

  • Was unterlag deiner Kontrolle – und was nicht?


Diese Fragen ermöglichen einen bewussten Umgang mit der Situation, frei von Schuld und Selbstverurteilung.


2. Stärkung des Selbstwertgefühls

Ein zentrales Ziel psychotherapeutischer Arbeit ist es, den Selbstwert unabhängig von Leistung oder Erfolg zu stabilisieren. Du bist nicht mehr wert, wenn du Erfolg hast – und auch nicht weniger, wenn du scheiterst.


„Du bist mehr als deine Ergebnisse.“


3. Neubewertung von Fehlern

Was zunächst wie ein Rückschlag wirkt, kann später als wichtige Weichenstellung sichtbar werden. Psychotherapie hilft, Sinnzusammenhänge zu erkennen – und aus dem Scheitern neue Ziele und Wege zu entwickeln.



4. Psychologische Tools im Umgang mit Scheitern


Kognitive Umstrukturierung

Negative Gedanken wie „Ich bin gescheitert, also bin ich nichts wert“ werden hinterfragt und neu bewertet. Ziel: ein realistischer, mitfühlender Umgang mit sich selbst.


Arbeit mit dem inneren Kritiker

Viele Menschen haben eine sehr harte innere Stimme. In der Therapie wird gelernt, diese kritisch zu hinterfragen – und durch eine unterstützende, verständnisvolle Haltung zu ersetzen.


Achtsamkeit & Selbstmitgefühl

Scheitern ist schmerzhaft – aber Leid entsteht oft durch den Widerstand gegen diesen Schmerz. Achtsamkeit hilft, Gefühle zuzulassen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Selbstmitgefühl stärkt das Gefühl: „Ich darf Fehler machen.“



Frau schreibt in ein Notizbuch
Selbstreflexion, Achtsamkeit und Selbstmitgefühl helfen dabei, Rückschläge konstruktiv zu verarbeiten.

  1. Scheitern in der Lebensmitte: Wenn das Selbstbild ins Wanken gerät


Besonders in der Lebensmitte erleben viele Menschen eine Phase der Bilanz:

  • Der Beruf erfüllt nicht (mehr)

  • Beziehungen stehen infrage

  • Lebensziele verlieren an Bedeutung


Wenn dabei der Gedanke aufkommt: „Ich habe so viel versucht – und trotzdem nicht das Leben, das ich mir gewünscht habe“, kann das wie ein existenzielles Scheitern wirken.

Hier setzt die psychotherapeutische Begleitung an:

Nicht, um das Alte zu reparieren – sondern um Raum für Neues zu schaffen.




  1. Was Psychotherapie leisten kann


Eine psychotherapeutische Begleitung kann helfen:

  • Den inneren Druck zu reduzieren

  • Schuld- und Schamgefühle zu entlasten

  • Die Krise als Entwicklungsschritt zu verstehen

  • Neue Perspektiven und Lebensentwürfe zu entwickeln

  • Den Selbstwert nachhaltig zu stärken


    Scheitern in Begleitung zu verarbeiten, kann der erste Schritt zu einem erfüllteren Leben sein.


Therapiesitzung
Psychotherapie unterstützt dabei, belastende Erfahrungen einzuordnen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

7. Fazit: Scheitern ist ein Wendepunkt – kein Urteil


Scheitern tut weh. Es kratzt am Selbstbild, konfrontiert uns mit Grenzen und macht Angst.

Aber: Es ist auch eine Einladung. Dazu, dich neu zu orientieren.

Dich selbst besser kennenzulernen. Und mutiger und ehrlicher weiterzugehen als zuvor.

In der Psychotherapie darfst du lernen:

  • Fehler nicht als Beweis deines Wertes zu sehen

  • Deine Menschlichkeit zu umarmen

  • Und mitfühlend auf das zu schauen, was du versucht hast – nicht nur auf das, was „geklappt“ hat

Denn manchmal liegt das größte Wachstum genau dort, wo du gescheitert bist.


Sonnenaufgang am See
Jeder Rückschlag kann der Ausgangspunkt für einen neuen Lebensabschnitt sein.

8. FAQ

Was versteht man unter Scheitern in der Psychotherapie?

Scheitern bedeutet, ein Ziel nicht zu erreichen – doch in der Psychotherapie wird es als Wachstumsimpuls gesehen, nicht als Versagen.

Ja. Durch Reflexion, therapeutische Begleitung und Selbstmitgefühl kann Scheitern zu einer wertvollen Lernerfahrung werden.

Weil es oft mit Scham, Selbstzweifeln und dem Gefühl verbunden ist, nicht gut genug zu sein. Das kann den Selbstwert erschüttern – besonders ohne Unterstützung.





9. Über mich

Mein Name ist Claudia Weidinger und ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie in Bayreuth


Das Leben ist Veränderung. Und doch sind die großen Umbrüche oft genau das, was uns am meisten aus der Bahn wirft. Trennungen, der Verlust eines geliebten Menschen oder ein unfreiwilliger Neuanfang – all diese Erfahrungen fordern unsere innere Stabilität heraus. In solchen Momenten kann eine Psychotherapie nicht nur entlasten, sondern auch eine wertvolle Begleitung und Orientierungshilfe sein.


Frau mittleren Alters

Stecken Sie gerade in einer Krise, in der sich alles wie Scheitern anfühlt?

Ich begleite Sie professionell und mitfühlend auf Ihrem Weg zu einem neuen Verständnis von sich selbst.

📩 Schreiben Sie mir für ein Erstgespräch

📍 Online oder in meiner Praxis – diskret, wertschätzend und auf Augenhöhe


📞 Jetzt Termin vereinbaren: 0921 / 79326604

📍 Adresse: Rathstraße 17, 95444 Bayreuth


Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.



10. Quellenverzeichnis


  • American Psychological Association (APA): Building Your Resilience. https://www.apa.org/topics/resilience

  • Beck, A. T. (1979). Kognitive Therapie der Depression. Beltz.

  • Dweck, C. S. (2017). Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt (Growth Mindset). Piper.

  • Frankl, V. E. (2015). …trotzdem Ja zum Leben sagen. Kösel.

  • Neff, K. (2011). Selbstmitgefühl – Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen. Kailash.

  • Rogers, C. R. (2004). Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie. Fischer.

  • Seligman, M. E. P. (2012). Der Glücks-Faktor. Goldmann.


Bildquelle: Canva, Wix

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